Heute gibt es ein ernstes Thema von mir. Ich habe lange überlegt, ob ich mich dazu auf dem Blog überhaupt äußern soll, ist ja sonst hauptsächlich Jux und Dollerei hier, aber es beschäftigt mich so sehr, es muss einfach raus.
Auslöser waren die beiden Brüder aus Syrien, die in der Türkei an den Strand gespült wurden. Ich habe die Bilder erst heute morgen gesehen, seit mein Kind da ist, brauche ich für Nachrichten immer etwas länger. Jedenfalls sah ich diese Fotos und mir liefen die Tränen. Natürlich war mir klar das schon viel öfter Menschen auf der Flucht ertrunken sind, doch dieses Bild hat sich mir eingebrannt und macht das Elend, an dem man seit Wochen und Monaten durch die Nachrichten teilnimmt, umso deutlicher. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen, während mein Kind ruhig schlafend neben mir lag. Machen wir uns eigentlich jeden Tag bewusst, wieviel Glück wir haben, in diesem privilegiertem Land zu leben?
Man muss sich einfach begreiflich machen, was da geschieht. Die Menschen flüchten zu Tausenden, weil sie in ihrem Land nicht mehr sicher sind, sind auf Schlepper angewiesen, die sie mit Nussschalen über das Meer bringen wollen und finden entweder den Tod – oder kommen in einem Land an, dass sie ablehnt. Und die Welt sieht zu! Warum greift niemand ein und hilft diesen Leuten? Ich verstehe das nicht. Mir fehlt das politische Fachwissen, aber mir leuchtet nicht ein, warum keine Marine sich auf den Weg macht, kein Land Flugzeuge sendet und warum sich niemand so wirklich zuständig fühlt. Ich verstehe es nicht.
Stattdessen feiert der hässliche braune Mob Partys vor deutschen Flüchtlingsheimen und mir wird speiübel, wenn ich nur daran denke. Mir gehen diese ganzen „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber“ Menschen auf den Sack, ich kann nicht mehr hören „das man erstmal die Probleme in Deutschland in den Griff bekommen muss“ und „wir können doch nicht jeden aufnehmen“ lässt mir auch die Hutschnur platzen. Ich. Will. Es. Nicht. Mehr. Hören.
Statt dessen frage ich mich, was können wir tun? Ich fühle mich hilflos. Klar, ich kann Geld spenden und meinen Kleiderschrank durchforsten und eine Kiste zur nächstgelegenen Flüchtlingshilfe bringen. Habe ich auch alles schon gemacht, aber da muss es doch noch mehr geben!? Warum gibt es keine Demos mit den Forderungen, dass die Staaten eingreifen? Warum wird für zwei Euro fuffzig mehr Lohn wochenlag gestreikt und beim Flüchtlingsthema wird kein Druck ausgeübt? Warum wird den Menschen die Weiterreise so erschwert, wenn sie es schon aus Syrien/Afghanistan/Irak/woauchimmeresscheißeist rausgeschafft haben? Warum, warum, warum?
Ich möchte etwas tun! Ich möchte, dass du etwas tust! Und du! Und du und du auch! Lasst UNS etwas tun! Ich möchte nicht weiter tatenlos auf der Couch sitzen und weinen, weil mich das alles so mitnimmt. Ich möchte mehr als Geld und Kleidung spenden. Doch was tun?
Und gleichzeitig möchte ich mir jetzt jeden Tag sagen, wir froh ich sein kann, in diesem Land geboren worden zu sein. Ich hatte einfach Glück. Mein Mann hatte Glück und mein Baby hatte auch das Glück. Wir könnten auch auf der anderen Seite stehen. Wir könnten in einem Boot sitzen. Das kentert…
Wenn ich das nächste Mal meckere wie doof der Tag, möchte ich mich darauf besinnen und einfach nur dankbar sein. Meine Wohnung ist nicht zerbombt, hier laufen keine maskierten Typen mit Gewehren durch die Straßen, ich bin nicht auf der Flucht, habe statt dessen einen vollen Kühlschrank, einen gesunden Mann und ein gesundes Kind. Was will ich denn bitte noch? Eben.
Wahrscheinlich klingt das für euch jetzt alles ziemlich wirr und ihr fragt euch, was ich denn jetzt eigentlich mit diesem Blogpost sagen möchte.
Weiß ich nicht. Meine Gedanken sind wirr. Sie schießen von der „sei dankbar“ Ecke in die „ich muss etwas tun“ Ecke hin und her und zwischendrin taucht wieder der kleine Junge am Strand auf und schon fließen wieder die Tränen. Seit ich selbst Mutter bin, packen mich solche Themen in denen Kinder involviert sind viel mehr als vorher und ich mutiere zur Heulsuse. Finde ich nicht soooo angenehm, aber ist halt so.
Ich schicke diesen Blogpost jetzt ab, vielleicht finden sich ja ein paar von euch, denen es ähnlich geht wie mir. Die nicht so wirklich wissen wohin mit ihren Gefühlen. Und vielleicht habt ihr ja eine Idee zum Handeln? Vielleicht findet ihr mich aber auch völlig doof und denkt euch, ich soll mir lieber wieder die Nägel lackieren, statt rumzuheulen und entabonniert mich. Dann ist das so. Sorry, wenn ihr dachtet hier gibts wieder was zum Lachen. Heute mal nicht.
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